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Feedback kann auch mal weh tun

Ich habe heute ein ziemlich gutes Feedback gekriegt. Und damit meine ich nicht etwa ein Kompliment. Also ehrlich gesagt, war es eher eine saftige Kritik. Und die war berechtigt.

Schuld und Scham

Mein Projektteam und ich sind das (zugegeben überschaubare) Risiko eingegangen, in einem kleineren Format eine neuere Präsentationsform zu testen. Wir haben anstelle der gewohnten PowerPoint ein online Whiteboard genutzt. Es kam, wie es kommen musste: Die Technik versagte und wir waren schlicht zu wenig gut vorbereitet, um das kompensieren zu können. Kurzum, wir haben keine besonders gute Falle gemacht.

Das Feedback der Kollegin war sowohl inhaltlich wie kommunikativ korrekt. Dennoch hab ich innerlich gespürt, wie in mir der Reflex aufstieg, wütend zu werden und die Kritik von mir zu weisen. Bloss weg mit dem Sündenbock, der Verlegenheit, der Scham… Ich hab dann stattdessen tief durchgeatmet und mich bedankt.

Die Lerngelegenheit hinter den Emotionen

Es dauerte eine Weile, bis ich Wut, Scham und Schuldgefühle loslassen konnte und der Lernprozess einsetzte. Mein Learning war, gerade bei Präsentationen die Zielgruppe in den Fokus zu stellen und eben nicht die eigenen Experimentierbedürfnisse. Mein noch fast wichtigestes Learning aber war, dass Lernen erst dann möglich wird, wenn die Emotionen sich gesetzt haben. Scham, Wut und Angst sind keine guten Lernbegleiterinnen.

Mein kleines Erlebnis zeigt einmal mehr: Lernkulturen brauchen psychologisch sichere Räume. Feedback braucht einen festen Boden, eine stabile Beziehung, damit ein Lernprozess daraus hervorgehen kann. Ich hab heute etwas gewankt, habe die Kurve aber noch gekriegt.

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